Review: Jan Gerhard - erste Erfahrungen mit dem Epic 5

Die Epic5 ließen mich erstaunt zurück, was zugegebenermaßen nicht mehr so oft vorkommt.

Und zwar auf vielen Ebenen, aber von vorn:

 

Geliefert wird das Paar ein einem Koffer in Karbonoptik, verpackt in Baumwollbeuteln, in einer passgenauen Schaumstoff-Form. Das sichert die Monitore für den dauerhaften Gebrauch unterwegs. Also kein Transport in der OVP mehr, die nach dem dritten Ein und Auspacken aussieht wie nach zwei Weltkriegen. 

 

Zunächst erstaunen diese Lautsprecher durch ihre Größe. Klar, 5" Lautsprecher werden gern in kleineren Räumen oder an Schnittplätzen benutzt, wo eh schon alles mit anderem Equipment vollsteht und sind daher schon "von Natur" nicht sehr üppig dimensioniert. 

Durch ihre antiparallelen Gehäusewände wirken die Epic5 allerdings noch einmal schmaler als vergleichbare Modelle. Durch die angeschrägte Boxenfront nahm ich zunächst an, dass diese für den Betrieb im Nahfeld auf dem Tisch konzipiert worden sind - dies ist aber ein Irrtum. Denn die Winkelung der Schallwand wurde hier benutzt, um die Laufzeiten von Hoch- und Tieftöner auszugleichen. Dies kann man über den elektronischen Weg mittels Delay im DSP machen, oder auch mit einem Phaseplug bzw. Waveguide - die ganze Schallwand zu zu kippen, daß die Laufzeit der beiden Treiber wieder kohärent ist, ist mal was Neues.  Nach Hörtests kann ich sagen, daß der Hochtöner breit genug abstrahlt, dass diese Schräge keinen Nachteil im Klangbild ergibt. Also immer vor Betrieb schön das Handbuch lesen!  

Die Boxen stehen auf drei eigens entworfenen Spikes, mit passenden Gummischuhen für empfindliche Oberflächen. 

Dies erspart einem sogar einen separaten  Entkopplungs-Unterbau wie z.B. Iso Acoustics oder Recoil Stabilizer. 

Auf externen Stativen mit weichem Untergrund kann das allerdings etwas problematisch werden, da die Spikes auf jeden Fall auf einer harten Oberfläche stehen sollten. Dann passt alles. 

 

Kommen wir zum Klang.

Hörsessions von Lautsprechern beginnen überwiegend bei mir so - Anfangs bin ich sehr begeistert, diese Begeisterung nimmt dann aber im Laufe der Zeit immer weiter ab. Um es kurz zu machen: Hier war's andersrum. Nach einem nüchternen "tut-alles-was-er-soll" flachte meine Begeisterungskurve nicht ab, sondern steigerte sich - langsam aber solide. Durch die wirklich gute Abstimmung von Tief- und Hochtöner gelingt die Abbildung von vielen Details, die andere Lautsprecher maskieren. 

Transienten wird exakt gefolgt. Ein "Hineinhören" in Songs ist mit den Epic5 schnell möglich. Als Metapher sei hier ein Schaufenster erlaubt: Wo andere Lautsprecher einen nur bis zur Scheibe bringen, lassen die Epic5 einen ins Schaufenster hinein gehen. Ich hoffe das war plastisch genug.

Ebenso ist die Wiedergabe hoher Töne exakt und ehrlich. Hat eine Sprachaufnahme z.B. zuviel S-Laute, wird dies auch so wiedergegeben. Ich kenne da Mitbewerber, die diesen Frequenzbereich so wiedergeben, dass es immer "passt". Aber genau das unterscheidet Werk- von Spielzeug. 

Die Basswiedergabe war der nächste Punkt, der mich erstaunte und - nicht zuletzt wegen der Größe - begeisterte. Geschlossene Gehäuse gehören wegen der präzisen Wiedergabe zu meinen stillen Favoriten. Leider bringt diese Bauart neben einem geringeren Output auch eine hoehere untere Grenzfrequenz mit sich, vulgo: "Der Gerät" spielt nicht so tief. Auf dem Land sagt man auch: "Der hat weniger Bass.“ 

Dem kann man mit einem sog. Passiv Radiator entgegenwirken, der wie eine zweite Membran ohne Schwingspule aufgebaut ist. Damit laesst sich die untere Grenzfrequenz nach unten verschieben. Nachteil dieser Technik war immer, dass diese wieder zum Nachteil der präzisen Wiedergabe ging. Dies konnte ich bei den Epic5 allerdings nicht feststellen. Wie der Entwickler das geschafft hat, wird er wahrscheinlich nie verraten - aber sei's drum: Sehr gut gemacht. 

Um hier wiederum ein plastisches Beispiel anzuführen: Man hört bei diesem Modell die Bassnote exakt, während bei Mitbewerbern der Bass nur als "ist da" oder "ist nicht da" zu klassifizieren ist. Gerade bei dem winzigen Gehäusevolumen mochte ich es erst nicht glauben.

 

Auf die Frage, ob ein Subwoofer her muss, wuerde ich es eher auf die Anwendung einschränken: Bei EDM, Drum and Bass waere es "für mehr Spass" von Vorteil, aber kein Muss. Bei Klassik, Sprache oder Rock / Pop geht es ganz "ohne“. Das, und der eher "nicht-PA-mäßige" Wirkungsgrad sind aber auch die einzigen Schönheitsfehler, die ich finden konnte. Zwei Punkte, die man (zumindest aus meiner Sicht) sehr gut verschmerzen kann. Ausserdem ist vom Hersteller schon angekündigt, daß über einen Subwoofer nachgedacht wird. Spannend!

 

Abschliessend muss ich sagen, dass ich die Epic5 einfach aus Neugier getestet habe. Beim Auspacken aus dem edlen Koffer schwante mir schon vom Preisgefüge her Übles, weil hochwertige Technik, die auch noch so aufwendig verpackt ist, eben ihren Preis hat. Nach dem Test dachte ich mir: "Wow, die kleinen Biester sind wirklich wirklich gut!" - ich ahnte aber ein Preisgefüge zwischen 3-4.5k€ pro Paar. Als mir dann der Vertrieb die UVP nannte, habe ich ihn erstmal fragen müssen, ob er sich gerade in der Nähe von alkoholischen Getränken befände und falls ja, sein wievielter Drink das sei.

Um mich hier nicht weiterhin in weiterem sinnlosen Geseier zu ergehen: Das Preis-/ Leistungsverhältnis wird schwer zu schlagen sein. Sehr schwer!

 

Wer auch nur den geringsten Anflug von Neugier verspürt, wie diese Lautsprecher denn wohl klingen, sollte sie unbedingt probehören. Man könnte sonst wirklich etwas verpassen...